Der
Mensch ist ein Augentier,
auch wenn seine Sehkraft im Vergleich mit einem Adler eher bescheiden
ist. Besonders in der stinkenden, lärmenden Welt der Zivilisation sind
es vor allem optische Reize, auf die zu reagieren wir gelernt haben.
Man kann nicht riechen, ob eine Ampel rot oder grün ist. Aber sehen wir
die Welt so, wie sie ist?
Als Kinder konnten wir noch alle Drachen oder Pferde in den vorbei
ziehenden Wolken entdecken, sahen Gesichter aus der Baumrinde blicken
und fremde Wesen im Schatten mancher dunklen Ecke. Kinder glauben noch
an Märchen.
Viele haben diesen
Blick verlernt, sind vernünftig geworden und sehen nur noch, was in ihr
Weltbild passt. Ich habe mir zum Glück den kindlichen Blick
bewahrt. Für mich
haben Blumen Gesichter, wenn ich mit der Schere ein Magazin zerstückele.
Fotomontagen aus richtigem Papier zu machen ist nicht mit der
Realitätsfälschung mit einem Grafikprogramm vergleichbar. Ich kann
nichts spiegeln, vergrößern, verkleinern oder verzerren. Ich muss mit
den vorhandenen Schnipseln arbeiten, Schnittkanten und Texte verbergen,
Bilder aus dem, was da ist, komponieren. Deshalb beginne ich nicht mit einer Idee, sondern lasse
mich von den vor mir liegenden Bildern führen, kombiniere, schiebe und
drehe die Einzelteile so lange, bis das Bild mir eine Geschichte
erzählt und klebe diese Geschichten dann mit Kleister auf Karton. So
entstehen meine fantastischen Märchenwelten. Chimären, Gnome und Elfen tummeln sich
darin. Doch nicht nur Traumwelten wachsen aus den
Schnipselordnern, auch kritische Fragen finden einen Weg in meine
Bilder. Welche Geschichte ein fertiges Bild erzählt, lässt sich am
Anfang nur selten vorhersagen. Ich suche und kombiniere zueinander
passende Teile und das Ergebnis ist auch für mich überraschend.
Manchmal scheint sich schnell ein Thema zu manifestieren, manchmal ist
es schwierig einem fertigen Bild einen Namen zu geben.
Wie meine Fotomontagen entstehen, habe ich auf den folgenden Seiten in
einer kurzen Dokumentation beschrieben. Der Prozess der Bildfindung
dauert länger, als es die wenigen Seiten darstellen. Doch den ganzen
Weg mit allen Irrtümern und Sackgassen zu zeigen macht wenig Sinn. Das
Prinzip ist immer gleich: Probieren geht über studieren.